Marxloh

___ Hintergrund zu Marxloh

Marxloh, zum Stadtteil Hamborn gehörend, liegt im Duisburger Norden und darf auf eine bewegte Geschichte zurück blicken, die exemplarisch für den Wandel im Ruhrgebiet steht.

1843 lebten rund 320 Menschen in einer idyllischen, feuchten Weidelandschaft. Angelockt durch die Industrialisierung waren es 1925 bereits 35.000. Heute zählt Marxloh noch rund 17.500 Einwohner.

In der Nachkriegszeit, bis in die 1970er Jahre hinein, war die Weselerstraße die angesagte Flanier- und Einkaufsmeile. Umgeben von Schwerindustrie und die für das Ruhrgebiet so typischen Arbeitersiedlungen, beherbergte der Stadtteil in stilvollen Gründerzeitbauten ein buntes, kulturelles Angebot mit Tanzcafés, Clubs, Textilgeschäften, Gastronomien und zahlreichen modernen Kinos, in denen die größten deutschen Filmstars ihre stilvollen Premieren feierten.

___ Es wurden Arbeiter gerufen - es kamen Menschen

Durch das Deutsch-Türkische Anwerbeabkommen 1961 zog es tausende „Gastarbeiter“ nach Marxloh in die Zechen und zu ThyssenKrupp Stahl.

Während Stahlkrise der 1990er Jahre verloren 10.000 und mehr ihre Arbeit – wer konnte, zog weg. Geblieben sind vor allem die Türken. Heute haben 60% der Marxloher einen Migrationshintergrund.

 ___ „Schmuddelviertel“

Durch das Thyssen-Krupp Werksgelände und die Duisburger Stadtautobahn, wird der Stadtteil sichtbar geteilt und ist somit vom Rheinzugang abgespalten. Hohe Umweltbelastungen durch die Emissionen der angrenzenden Produktionsstätten des Stahl-Giganten Thyssen-Krupp prägen auch heute noch sein negatives Image.

Darüber hinaus wird Marxloh in den Medien oft als gewalttätiges „Schmuddelviertel“ oder „Ghetto“ stigmatisiert – immer wieder mit einem deutlichen Fingerzeig auf den hohen muslimischen Bewohneranteil und einer „Früher-war-alles-besser-Mentalität“.

___ Romantischste Straße Europas

Der Wirtschaftsstandort Marxloh hat sich in den letzten Jahren dank der Gründungsbereitschaft und Risikofreude der überwiegend türkischen Geschäftsleute sowie der besonderen Wertstellung der Hochzeitskultur innerhalb der türkischen Gemeinschaft zu einem bedeutenden Einzelhandelzentrum, nicht nur in Duisburg und seiner näheren Umgebung, entwickelt.

Mittlerweile beträgt das Einzugsgebiet 800 Kilometer – Kunden aus Belgien, den Niederlanden, Frankreich und Luxemburg  gehören selbstverständlich zum Klientel der über 50 Brautmodengeschäfte der Weselerstraße, auch liebevoll Romantischsten Straße Europas genannt.

Die Merkez-Moschee zieht ebenfalls jährlich hunderttausende Besucher und Gläubige an und fasziniert durch ihre Schönheit, interkulturelle Begegnungsstätte und friedliche Entstehungsgeschichte.

___ Soziales Engagement

Marxloh gilt seit 1993 als „Stadtteil mit besonderem Erneuerungsbedarf“ (Soziale Stadt Programm).

Trotz umfangreicher sozialer und stadtentwicklerischer Maßnahmen, u.a. durch die Entwicklungsgesellschaft Duisburg mbH, sprechen die Zahlen der Statistik für Duisburg und Marxloh im bundesweiten Vergleich für einen überdurchschnittlichen Förderbedarf – insbesondere in den Bereichen Bildung und Soziales.

 

Duisburg

Marxloh

Deutschland*

Einwohner

491.931

17.522

81.7 Mio

Einwohner unter 19 Jahre

17 %

29%

18,8%

Menschen mit Migrationshintergrund

32,3%

59,2%

19,1%

Ausländeranteil

17,0%

35,7%

8,5%

Arbeitslosigkeit

12,9%

22,8%

7,7%

Transferleistung (SGB II)

18,32%

34,0%

9,9%

Wohnungen

262.559

9.494

ca.3,5 Mio

Leerstand Wohnungen

5,6%

12%

8%

Um den wachsenden Herausforderungen im Zusammenleben der Menschen des Stadtteils wirksam begegnen zu können, gründeten Christine Bleks und Mustafa Tazeoğlu im Juli 2011 Urban Rhizome. Die Agentur entwickelte das mehrfach ausgezeichnete sozial-ökonomische Projekt Tausche Bildung für Wohnen.

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*eigene Darstellung/ Quelle: Sozialbericht Stadt Duisburg 2010, Amt für Statistik Duisburg, Statistische Ämter des Bundes und Länder, Bericht Erste Integrationsbefragung Stadt Duisburg